Gotham Lasagne

Warum Gotham die Mikrowellen-Lasagne unter den Serien ist

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Victor Redman

Du kennst das: Nach einem langen Tag bist du endlich zu Hause und wirst nur noch von einem Gedanken beherrscht: Hunger! Kurzerhand haust du dir eine Mikrowellen-Lasagne in den Ofen. 

Und dann stellst du fest, dass der fleischig-käsige Klumpen, der in der Plastikform vor sich hin schmort, mit dem Bild auf der Verpackung rein gar nichts gemeinsam hat. 

Womit wir bei Gotham wären.

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Starker Start – und dann?

Um eins klarzustellen: Niemand hat sich auf Gotham mehr gefreut als ich. Batman ist mein Krafttier und sein Revier, Gotham City, hat sich über die Jahre zu einem eigenen Charakter in der ausgefeilten Mythologie gemausert. 

Nun sollte ich also die Chance bekommen, an der Seite von James Gordon – dem einzig ehrlichen Polizisten der Stadt, –  diesen Pfuhl der Korruption und des Wahnsinns näher zu erkunden, Jahre vor dem ersten Auftritt des dunklen Ritters. 

Klingt gut? War es auch. Für ungefähr fünf Folgen.

Künstliche Schockmomente

Auf den ersten Blick beeindruckt Gotham durchaus: Die Serie ist stylisch, atmosphärisch dicht und manchmal überraschend drastisch in der Gewaltdarstellung. 

Was jedoch in der durchgestylten Großstadthölle passiert, scheint seit Mitte der ersten Staffel Woche für Woche nach dem Zufallsprinzip entschieden zu werden. Dabei jagt ein künstlich produzierter Schockmoment den nächsten; da aber kein einziger davon anständig aufgebaut oder nachbereitet wird, bleiben sie alle leere Fernseh-Kalorien. 

Beispiele gefällig?

  1. Ein berüchtigter Serienkiller – so berüchtigt, dass er bis dahin mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt wurde – hat Gordons Ex entführt? Meinetwegen. 
  2. Gordons Ex ist selbst eine Psychopathin? Klar, warum nicht? 
  3. Gordon wird als Wachmann in die Irrenanstalt strafversetzt? Ach nee, doch nicht. 

Schon bald hat man keinen blassen Schimmer mehr, wo die Reise eigentlich hingehen soll. Und schließlich begreift man: Es ist wohl auch nicht so wichtig.

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Übertriebene Anspielungen

Die absolute Planlosigkeit ist Gothams auffälligstes Manko, aber leider nicht das nervigste. Diese Auszeichnung geht an das unaufhörliche, krampfhafte Augenzwinkern in Richtung des Batman-Fandoms: „Oh, guck' mal, der Riddler!“; „Oh, guck' mal, die Bat-Höhle!“; „Oh, guck' mal, der Joker... vielleicht?“

Schon die Pilotfolge war komplett überladen mit Anspielungen, Insidern und Gastauftritten. 

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Konzeptfehler!

Das alles wäre kein Ding, wenn die Serie Batman hieße – aber sie heißt nun mal Gotham und sie spielt zu einer Zeit, in der Batman gerade anfängt, sich die ersten Pubertätspickel auszudrücken. Ein Prozess, an dem Gotham uns aus unerfindlichen Gründen auch noch teilhaben lässt. 

Versteht mich nicht falsch, David Mazouz macht seine Sache als junger Bruce Wayne nicht schlecht, aber von seinen Anfängen als Batman ist der Charakter einfach noch 10 bis 15 Jahre entfernt. Heißt: Sämtliche Anspielungen in diese Richtung sind faktisch tote Sendezeit. 

Das, was die Serie hier verspricht, wird innerhalb der Serie niemals passieren. Es darf gar nicht passieren. Die Prämisse der Serie – das Konzept „Prequel“ – verbietet, dass es passiert!

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Unterm Strich bleibt von einer Serie, die ein echtes Schmankerl hätte sein können, ein halbgares, unbefriedigendes Endprodukt, das auf Hochglanzfotos überzeugen kann, für Genuss aber nur sehr eingeschränkt taugt – Mikrowellenkost für den Serien-Fan eben.

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Ist die Serie Gotham wirklich so mies?

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Titelbild via Pixabay / Flickr.com

Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Couching, in dem sich alles um Serien, Filme, Games und dein geliebtes Sofa dreht! So wie in diesen Artikeln: