TV-Tipps: Böhmermann nimmt Geiseln im Sportstudio

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Jens Wiesner

Die TV-Tipps vom 12. Oktober bis 18. Oktober von Jens Wiesner

Bereit zur zweiten Runde Grabparty? Der Totengräber des Fernsehens hat wieder ein paar ansehnliche Knochen ausgegraben.

Lerchenberg: Viva la Television!

Donnerstag, 15.10., ab 23:30 Uhr, ZDFneo

Jan Böhmermann als Geiselnehmer im Aktuellen Sportstudio? Sascha „Schwarzwaldklinik“ Hehn als John-McClane-Kampfmaschine im Unterhemd? Im Gegensatz zu den etwas bemühten Folgen der ersten Staffel feuert „Lerchenberg“ endlich aus allen Rohren. 

Zumindest merkt man den Beteiligten eine diebische Freude beim großen ZDF-Bashing an: Iris Berben spielt sich selbst als kuscheltiermordende Schauspieltrainerin, die Hehn einen „zweiten Gesichtsausdruck“ antrainieren soll. Roberto Blanco nutzt die N-Wort-Debatte schamlos für eigene Karrierezwecke aus. Und Hehn wird zum Zombiejäger in „Spaziergang der Toten“, dem wohl besten US-Remake seit „Hilfe, meine Familie spinnt“.

Dass die Angsthasen-Mainzelmänner die neue Staffel tief im Nachtprogramm versteckt haben – unverständlich. Und dann macht’s die kleine Schwester Neo auch noch nach. Egal, wenigstens kann man die neuen Folgen noch ein Weilchen in der Mediathek bingewatchen.

Montag 12.10.: Hotel Ruanda ab 0:10 Uhr (nachts), Servus TV

Ich war 13, als ich im Fernsehen vom Völkermord in Ruanda hörte. Hutu und Tutsi – diese Namen klangen in meinen Ohren irgendwie komisch und wollten nicht zu dem Gemetzel passen, von dem die Tagesschau berichtete. Aber Afrika war für mich behütet aufgewachsenes Dorfkind einfach zu weit weg: Ich schaltete ab und tat, was man überall im Westen so machte: Ich vergaß Ruanda. 

Bis zehn Jahre später „Hotel Ruanda“ in die Kinos kam. Don Cheadle spielt die Hauptrolle, den hatte ich noch als Anwalt in der absurden US-Kleinstadtserie „Picket Fences“ in Erinnerung. Und erst jetzt – durch einen Spielfilm – fühlte ich plötzlich echtes, tiefes Mitleid. Absurd, oder?

Dienstag, 13.10.: Die große Zuckerlüge um 20:15, Arte

Och, nö. Nicht schon wieder so eine Doku, die uns das Schlemmen madig macht. So langsam baut sich ein innerer Widerwille auf, wenn wieder mal die Machenschaften einer ach-so-fiesen Industrie-Lobby enttarnt werden sollen. Sind das denn alles gemeine Täuscher und Manipulatoren? Offenbar ja.

Diese Doku aus Kanada hat tief in den Archiven der Zucker-Industrie gewühlt und offenbart, wie geschickt seit den 1970ern das Bild vom „süßen Gift“ reingewaschen wird. Und ich fühle mich böse ertappt: Schließlich ist es noch gar nicht so lange her, da habe ich mir Zuckerstückchen pur reingepfiffen – wie Benjamin Blümchen.

Mittwoch, 14.10.: „Das Schweigen der Lämmer“ ab 22:40 Uhr, Kabel eins

Normalerweise verliert ein Thriller ja seinen Reiz in der Wiederholung. Wir wissen, wer sterben wird und wer überlebt. Dieser hier ist anders. „Lassen Sie Hannibal nicht in ihren Kopf“, warnt FBI-Mann Jack Crawford (Scott Glenn) seine Agentin Clarice Starling (Jodie Foster). In meinen schafft es der zischende Kannibale immer wieder: Nach Filmende verdächtige ich tagelang selbst meine besten Freunde, im Verborgenen Menschenfresser zu sein. Dabei taucht Anthony Hopkins nur für 16 Minuten im fertigen Film auf.

Freitag, 16.10.: Columbo: Ein gründlich motivierter Mord um 19:05 Uhr, ZDFneo

Columbo (Peter Falk) ist einfach 'ne coole Sau: Während sich in Deutschland Kommissare wie Derrick durch die Fälle zeitlupten, wusste der schlonzige Inspektor aus Übersee von Anfang an Bescheid. Und wir Zuschauer auch. Dass es trotzdem nicht langweilig wurde, war den kreativen Drehbuchschreibern zu verdanken, die das Wie und nicht das Wer zum Dreh- und Angelpunkt dieser Krimireihe machten. „Ein gründlich motivierter Mord“ gehört zu den besten Fällen – mit Robert Culp als Reklamefritze, der die Zuschauer mit unterschwelligen Botschaften im Bewegtbild zum Morden animiert.

Samstag, 17.10.: Südwest nach Sonora um 22:10 Uhr, BR

Marlon Brando war in den sechziger Jahren so abgerockt und fertig wie heute Charlie Sheen. Bei den Produzenten galt er als verbrannt, seine Filme waren höchstens solider Durchschnitt. „Südwest nach Sonora“ solltest du trotzdem schauen – aber nur mit Freunden und ordentlich Tequila im Haus. Und dann kippt ihr bei jedem Westernklischee einen Kurzen. Bei so vielen Schnurrbart zwirbelnden Schurken, Fake-Mexikanern und Lasso schwingenden Sombrero-Trägern lässt die gute Laune nicht lange auf sich warten.

Sonntag, 18.10.: Zurück in die Zukunft um 20:15 Uhr, RTL2

Leute, krempelt eure Hosentaschen nach außen! Nach dreiunddölfzig Milliarden Fake-Memes zum Tag, an dem Marty McFly in der Zukunft landete, ist es endlich soweit. Die Gegenwart holt die Zukunft ein! Doch so geil ich den zweiten Teil der Reihe (Hoverboardhoverboardhoverboard!) auch finde: Der erste Film beweist einfach das größere Herz. Weil der ganzen „Verändere die Zukunft nicht“-Moral aus der Scifi-Mottenkiste hier ein fetter Stinkefinger gezeigt wird. Als die Filmcredits rollen, findet Marty statt seinen Loser-Eltern plötzlich eine erfolgreiche und liebenswerte Familie vor. Und Bully Biff muss nach deren Pfeife tanzen. Yay!

Beweise deinen Freunden, dass das lineare TV noch zuckt!

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Dieser Artikel ist Teil unseres Ressorts Couching, in dem sich alles um Serien, Filme, Games und dein geliebtes Sofa dreht! So wie in diesen Artikeln: